Nachdem das Manuskript von ‘ℤahlenmäßig unterlegen’ in der Reifekammer war und ich die Erzählung für abgeschlossen hielt, begann eine andere Arbeit: Wir kümmerten uns darum, den Text am Rechner einreichungstauglich zu machen.
Gemeinsam entschieden wir uns für den Verlag, der uns am vertrauenswürdigsten vorkam und nach eingehender Prüfung des Vertrags, den man uns nach Annahme des Manuskriptes zukommen ließ, entschieden wir uns dazu, den Schritt zu wagen und zu unterzeichnen. Das war im Mai 2024
Nun gehen wir in eine neue Phase: mein Buch ist erschienen und mir bleibt nur zu hoffen, dass es junge und junggebliebene Leser ansprechen kann. Ihr könnt Euer Exemplar des Buches gerne in Österreich, Deutschland und der Schweiz direkt beim verlagseigenen Onlineshop käuflich erwerben. Dies sollte man nach Möglichkeit vorziehen. Alle anderen Interessenten finden mich auf den Seiten der gängigen E-Shops.
Gemeinsam entschieden wir uns für den Verlag, der uns am vertrauenswürdigsten vorkam und nach eingehender Prüfung des Vertrags, den man uns nach Annahme des Manuskriptes zukommen ließ, entschieden wir uns dazu, den Schritt zu wagen und zu unterzeichnen. Das war im Mai 2024
Leseprobe
„Wach auf!“
Das warnende Zischen wurde von einem leichten Stups in die Rippen begleitet. Kai öffnete die Augen und blickte geradewegs in das erboste Gesicht seines Mathelehrers. Neben ihm rutschte Peter verlegen auf seinem Stuhl ein wenig von ihm weg, so, als ob er damit den Zorneswellen entgehen könnte, die an seinen Banknachbarn gerichtet waren.
„Wiederhol doch bitte, was ich eben erläutert habe!“, befahl Herr Tasnoff mit einem gemeinen Lächeln in seinem hageren Gesicht. „Oder möchtest du dich lieber in der Direktion melden und denen erklären, dass du mal wieder überhaupt nichts mitbekommst vom Unterricht?“
Verständnislos starrte Kai ihn weiter stumm an, denn er wusste einfach nicht, wie er schon wieder in so einer schwierigen Lage gelandet war. Mann, er hatte echt die Nase voll davon, dass alles, aber auch alles zurzeit mies für ihn lief. Er hätte sich ohrfeigen können, weil er ausgerechnet in dieser Stunde eingenickt war, denn er wusste sehr genau, dass Herr Tasnoff sich diese Gelegenheit kaum entgehen lassen würde, Kai zu zeigen, wer Meister im Klassenzimmer war. Das hatte wenig mit Mathekenntnissen zu tun, sondern lediglich damit, dass er Lehrer und Kai Schüler war. Wäre es um Begreifen und Begeisterung in punkto Mathematik gegangen, so wäre die Situation wohl eher umgedreht gewesen: Kai war so stark in diesem Fach, dass sich sein Lehrer von ihm herausgefordert und sogar bedroht fühlte. Um unangenehme Konfrontationen an der Tafel zu vermeiden, bemühte sich der Junge eben, sich so unauffällig wie möglich zu benehmen, doch Einschlafen war dann doch nicht die richtige Tarnung. Was sollte er tun, der Kurs war so langweilig und trocken dargeboten, dass er einfach abschalten musste, um nicht wieder und wieder mit diesem Lehrer anzuecken. Leider hatte er ihn schon mehrmals auf Fehler und falsche Darstellungen hingewiesen, und das machte die Sache nicht wirklich besser.
„Bitte entschuldigen Sie, Herr Tasnoff“, sagte er betont unterwürfig, „ich fühle mich nicht besonders gut und würde mich am liebsten im Sekretariat abmelden und nach Hause gehen.“
Er schaute von unten mit hoffentlich flehentlichem Blick zu dem wütenden Lehrer hinauf und vervollständigte seinen geistesgegenwärtigen Notfallplan mit einem trockenen Hüsteln, gefolgt von theatralischem Seufzen und einer Hand an seiner Stirn, so als hätte er Kopfschmerzen. Sofort trat Herr Tasnoff einen Schritt zurück: Nachdem sich dieses Virus vor ein paar Jahren ausgebreitet hatte, waren alle vorsichtiger im Umgang mit Krankheiten geworden.
Auf keinen Fall konnte Herr Tasnoff jetzt noch sein Spiel verlängern, er wollte schließlich nicht derjenige sein, der ein Schließen der Schule zu verantworten hätte. Mit einer unwirschen Geste gab er Kai also zu verstehen, dass dieser seine Sachen packen und verschwinden sollte.
„Vergiss bloß nicht, dich abzumelden, Freundchen, und ohne ärztliches Attest kommst du morgen nicht um die Prüfung herum, das kann ich dir jetzt schon versichern!“ Er machte einen weiteren Schritt rückwärts, um Kai nicht zu nahezukommen und dabei trat er auf Trinas Schultasche, die nicht am dafür vorgesehenen Haken seitlich an ihrem Tisch hing, sondern wie so oft am Boden lag. Erschrocken hob er den Fuß, dann kickte er ungehalten die Schultasche von sich weg, so dass sie gegen die Wand schlitterte, wo der Großteil des Inhaltes herausquoll.
„Hat eigentlich überhaupt noch jemand hier einen Sinn für Ordnung?“, brüllte er durch die Klasse. Trina wagte nicht einmal, ihre Sachen einzusammeln, obwohl sie innerlich vor Wut kochte. Kai fing ihren Blick ein und schüttelte fast unmerklich den Kopf. Wenn sie jetzt den Mund nicht hielt, würde ihnen allen mal wieder ein lautstarker Vortrag gehalten werden während dem sich ihr Lehrer immer weiter in Rage redete. Wäre nicht das erste Mal, doch es war immer echt anstrengend, solche unbeherrschten Ausbrüche auszusitzen, und dabei war es noch nicht mal neun Uhr!
Kai blickte von Trina zu Peter, nickte kurz und verließ die Klasse mit einem heiseren „Auf Wiedersehen, Herr Tasnoff“. Der hatte sich zum Glück abgewendet und marschierte auf das Lehrerpult zu, ohne Kai noch eines einzigen Blickes zu würdigen. Puh! Nur weg hier, dachte dieser und zog erleichtert die Tür hinter sich zu. Er lief den Gang entlang Richtung Ausgang und blieb an der vorletzten Tür stehen. Er klopfte an und während er auf eine Antwort von innen wartete, überlegte er sich schnell eine plausible Geschichte. Er ging die gängigen Symptome durch, von denen jeder mittlerweile gehört hatte und beschloss, ein Zwischending zu erfinden um sich nicht für die nächsten drei Wochen ins Abseits zu bugsieren. Man nahm diese Sache hier sehr ernst, doch drei Wochen zu Hause sitzen und Schulstoff verpassen, das war nicht das, was er sich jetzt wünschte oder brauchen konnte.
„Herein!“, tönte der übliche Sing-Sang der Sekretärin und Kai trat ein. Heizungsluft mit Kaffeegeruch und betäubendem Duft von Puder und Seife schlugen ihm entgegen. Es schnürte ihm fast die Kehle zu und er brauchte sich nicht mal großartig zu verstellen, um seine Geschichte nur mit Mühe herauszubringen.
„Soso, Halsschmerzen, Kopfschmerzen und Übelkeit, ja?“, wiederholte Frau Mirbach seine Aufzählung. „Hm, also ich bin kein Arzt, doch ich denke, du solltest wirklich das Schulgebäude verlassen, man will ja nicht wieder so ein Drama wie letztes Jahr, nicht wahr?“, meinte sie und griff nach den Scheinen in der zweiten Schublade.
„Name?“
„Kai Lessner.“
„Klasse?“
„12B“
„Klassenlehrer?“
„Frau Andres.“
„Hast du vor, noch auf dem Heimweg einen Arzt aufzusuchen oder gehst du geradewegs nach Hause?“
Hmm, was wäre jetzt besser? Ohne Attest würde er die Matheprüfung mitschreiben müssen, doch wenn er die Option Arzt wählte, dann würde Frau Mirbach seine Eltern erreichen müssen, bevor er das Gebäude verlassen durfte. So war das eben, wenn man noch nicht achtzehn war! Mann! Ihm fehlten gerade mal drei Monate und fünf Tage! Außerdem wäre es sicher schwieriger, einem Arzt etwas vorzumachen als einem cholerischen Mathelehrer mit Minderwertigkeitsgefühlen oder einer älteren Schulsekretärin, die eigentlich schon fast zu betagt war, um die ganze Arbeit zu bewältigen und deswegen nie Zeit hatte, lange zu diskutieren.
„Ich möchte erst mal heim, um mich hinzulegen“, sagte er also. Das war nicht mal gelogen. Frau Mirbach griff nochmals in die Schublade und reichte ihm den gelben Zettel für Abwesenheit. Den würde er datiert und unterzeichnet wieder hier abgeben müssen, wenn er innerhalb von zwei Tagen wieder zum Unterricht erscheinen würde. Er bedankte sich, schniefte noch einmal laut und verabschiedete sich. Bevor er zur Tür hinaus war, hatte sich Frau Mirbach schon wieder über einen ihrer dicken Ordner gebeugt und ihre Brille zurechtgerückt. Sie sah Kai noch einmal eindringlich an, lächelte dann völlig überraschend und wünschte ihm viel Glück.
Viel Glück? Seltsam. Wie wäre es denn mit „gute Besserung“? Sein Herz klopfte schneller als gewöhnlich und ihm wurde ganz heiß in der Magengegend. Dieser Blick und dann das Lächeln: Sie hatte ihn durchschaut und trotzdem gehen lassen. Vielleicht wendeten sich seine Umstände doch wieder zum Besseren. Er dankte ihr gedanklich, während er die schwere Sicherheitstür aufdrückte und über den Hof vom Schulgelände lief. Doch was jetzt?
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